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Vergängliche Kunst - Gegenwartskunst - Lebenskunst

Dienstag, 08 September 2015 geschrieben von  Johannes Söllner
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Sterblichkeit ist in unserer Kultur ein gerne ausgeklammerter Teil der Existenz. Etwas das es zu bekämpfen gilt, oder sonst zu ignorieren. Dieser Artikel zeigt eine kreative Art mit der Vergänglichkeit umzugehen. In dieser Welt vergeht jede Lebensform die sie betritt auch wieder. Genaugenommen vergeht sogar alles. Oder, zumindest, jede Form vergeht. Da man das ja auch nicht vermeiden kann, kann man sich auch gleich damit anfreunden. Daraus ergibt sich dann das wahre Erleben des Moments, als der einzigen Zeit die wir wirklich erleben. Die Vergangenheit ist ja schließlich nicht mehr, also nicht mehr wichtig, die Zukunft gibt es noch nicht. Im Jetzt leben wir aber immer. Oder sollten es zumindest, um nicht nur für später oder in der Erinnerung zu leben (was ja eben eigentlich nicht geht).

 

Jedenfalls finde ich Leute die Kunst für den Moment machen, leben das besonders schön. Im wahrsten Sinne eindrucksvoll, weil die Bewusstheit der Vergänglichkeit den Moment und dessen Schönheit hervorheben.

Andres Amador's  Sandbilder

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Sandbild von Andres Amador

Was mich darauf gebracht hat darüber zu schreiben (und mehr Beispiele zu suchen) ist ein blogpost über einen Künster namens Andres Amador. Andres stellt, lediglich ausgerüstet mit einem Drahtbesen (man könnte sagen, mit einer Gartenharke) wunderschöne Bilder im Sand her. Bilder die ihre komplexen organischen Formen erst aus einiger Entfernung voll zeigen. Andres hat diese Kunst sehr weit entwickelt. Und doch leben seine Werke nicht lange, Wind und Wellen löschen sie in absehbarer Zeit aus. Genaugenommen sollte man sie wahrscheinlich auch gar nicht fotographieren, um sich nicht so gegen die Vergänglichkeit des Moments zu wehren. Wäre natürlich schade, hätte sonst nichts davon erfahren ;-) Man sollte das fotographische Festhalten aber trotzdem gelegentlich nach seiner Zweckmäßigkeit hinterfragen wenn man die Sache in ihrer Vollständigkeit würdigen möchte. Mehr davon könnt Ihr auf Andres' website sehen, er scheint auch workshops und Kunst auf Bestellung anzubieten.

 

Sandmandalas

sandmandalaIm tibetischen Buddhismus gibt es die Tradition aus farbigem Sand Mandalas (komplexe religiöse Darstellungen) zu formen. Die Herstellung dieser Bilder ist ein intensiver spiritueller Prozess und kann Stunden bis Wochen andauern. Anschließend wird das Bild rituell zerstreut, erinnernd an die Vergänglichkeit der Existenz und um Anhaftungen auszuschließen. (Darstellung aus der Wikipedia, creative commons).

 

Sandburgen

Sandburg in ItalienSandburgen werden zwar eher selten bewusst als Kunstprodukt entwickelt, aber umso häufiger sind sie. Noch vor wenigen Jahren (damals schon Erwachsen) hat es mir selber sehr viel Spaß gemacht Burgen zu bauen, und jede Gelegenheit an einem Sandstrand habe ich gerne dafür genutzt. Ich persönlich habe den herausfordernden Teil darin verstanden etwas zu bauen das eine Zeit gegen das Meer bestehen kann das aber gleichzeitig nie dauerhaft schaffen wird. Eine Sandburg fernab vom Meer zu bauen finde ich witzlos. Bestenfalls zerfallen sie dann langsam vertrocknend in der Sonne. Am besten baut man eine stolze Burg in der Ebbe und sieht zu wie sie gegen die Flut kämpft. Eine Weile erfolgreich wenn sie gut gebaut ist, aber letztenendes bleibt nichts weiter zurück was an ihre Existenz erinnert. Würden wir mehr in diesem Geist bauen oder konsumieren so gäbe es kaum menschliche Altlasten in der Welt.

 

Der Flußgarten

Flußgarten Frühling und SommerVor eingen Jahren begann einer meiner Brüder (Arne Söllner) ein Stück Flussufer direkt hinter unserem Elternhaus zu roden. Schnell begannen wir, ohne es wirklich geplant zu haben, gemeinsam das Flussbett mit Dämmen und Wasserfällen zu durchsetzen. Innerhalb weniger Monate entstand ein Netzwerk aus kleinen Teichen, Stauungen und Strömungen. Dazu begannen wir Steine aufeinanderzusetzen, und bald hatten wir einen (öffentlichen) Garten aus Skulpturen in der Strömung. Ich stellte noch eine meiner selbstgeschnitzten Figuren am Ufer dazu, den Flusswächter. Entlang des Wassers konnte man sitzen und dem Fluß zusehen und zuhören wie er gluckst und springt. Eher als Badeplatz für die Familie gedacht wurde dieser Ort schnell zum Anziehungspunkt für viele Menschen, einige davon tatsächlich um zu baden. Viele begannen selber mitzumachen und zu gestalten, manche zerstörten eher oder nahmen schöne Steine mit. Viele saßen nur dort und beobachteten das Wasser. Wie es aber so ist in Flüssen, die Hochwässer kamen, warfen die Steinsäulen um und veränderten das Flussbett. Damit konnten wir weiterarbeiten, nicht zwangsläufig die alten Strukturen wiederherstellend, sondern mit der Veränderung arbeitend. Jedes Hochwasser kann das Flussbett grundlegend verändern. Manches bleibt erhalten, viel ist einfach neu. Es war ein sehr schönes Projekt, das uns eine Weile erlaubte mit der Veränderlichkeit der Natur zu arbeiten, obwohl letzenendes sehr wenig davon geblieben ist. Auf das Hochwasser ist Verlass.

 

 

Eat Art

Die Eat Art von Vertretern wie Daniel Spoerri und Dieter Roth hat möglicherweise eigene Aussagen, doch spielt Haltbarkeit eine tragende Rolle. In den Fallenbildern von Daniel Spoerri wurden einerseits Mahlzeiten und ihre Überreste inklusive Geschirr und Tisch konserviert, also Momente festgehalten, eigentlich Vergängliches bewusst in Kunstobjekten verwandelt. Fast schon gegensätzlich, etwa die Schokoladeskulpturen von Dieter Roth welche von Motten zerfressen werden. In meinem Eindruck haben beide Formen etwas Morbides, sie wirken als wäre der eigentliche Fokus der Zersetzungsprozess während bei den anderen Beispielen die Endlichkeit mit ihrem unmittelbaren Eintreten im Zentrum steht.

Kunst zu schaffen die bewusst keinen Bestand hat ist eine spirituelle Erfahrung. Letztendes ist es was mit jedem kreativen Akt passiert, nur, sehr viel bewusster im Moment. Besonders bei Werken die wirklich sehr kurze Zeit existieren. Vermutlich stellt das Mandala die Vollendung des Gedankens dar.

Ebenfalls passend:
Im Sinn von Aktionskunst (ohne langen Bestand) scheint die Firma Gartengestaltung & Landschaftsbau von Markus Neumann-Wedekindt einen Faible für temporäre (vergängliche) Kunst zu haben.

Als Abschluss, ich weiß nicht präzise woran es liegt, aber wenn ich diese Aufnahme vom Mahamrityunjaya Mantra höre scheint mir die Welt ein langsam fließender Fluss zu sein, golden, von auftauchenden und verschwindenden Formen erfüllt. Ich finde diese Aufnahme beruhigend, und irgendwie von den Zyklen des Lebens sprechend. Auch wenn das vielleicht nicht die wörtliche Aussage des Mantras ist, scheint es mir eine passende Emotion zu tragen.

 

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Gelesen 1547 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2015 13:41

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