Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /kunden/94423_1030/webseiten/seherzeit/components/com_k2/models/item.php on line 763

Ist es Annahme oder Passivität?

Montag, 14 September 2015 geschrieben von  Johannes Söllner
Freigegeben in blog
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

In der spirituellen und auch esoterischen Literatur wird der Annahme (d.h., der Bereitschaft einen Zustand anzunehmen) oft großer Raum gegeben. In eigener Erfahrung habe ich jedoch erlebt, dass oft einfach nicht klar ist worum es dabei eigentlich geht. Und insbesondere, wie und wann man das machen sollte, dieses ominöse Annehmen. Weil ich die große Effektivität dieser Haltung aber auch für akute physische Schmerzen hautnah miterlebt habe möchte ich meine Erfahrungen hier teilen.

Was also ist Annahme?

Annahme bedeutet die Dinge so anzunehmen wie sie jetzt gerade sind. Sie werden so erlebt wie es eben gerade ist, ohne sich gegen das Erleben zu wehren. Das bedeutet aber durchaus nicht, daß man es so gut finden muß. Annehmen bedeutet nicht unangenehme Lebensumstände einfach hinzunehmen. Annahme hat mit Passivität oder Ertragen nichts zu tun. Es geht lediglich um die Art des Erlebens und die bewusste Entscheidung zu handeln oder auch nicht.

Die Grundlage ist wirklich recht einfach: Wenn die Lebensumstände gerade nicht passen, verändere diese wenn es geht. Wenn nicht, dann denk auch nicht darüber nach, es sein denn um eine konkrete Lösung zu finden. Wenn gerade keine sinnvollen Schritte eingeleitet werden können um die Situation zu verbessern, dann ist das eben gerade so. Oft ist es schlicht am besten auf eine Veränderung der Situation zu warten, und dann zu handeln. Sie mögen meinen, dass über eine Lösung nachzudenken der konkreten Lösung dient. Theoretisch könnte das so sein, wenn sie ein sehr diziplinierter Denker sind. Diszipliniert insofern als sie wirklich nur so viel denken wie der Lösung dient. Im Normalfall entwickelt sich daraus jedoch nur ein Prolembewusstsein. Und damit meine ich ein Bewusstsein das sich gedanklich permanent um Probleme dreht, um Aspekte der Lebenssituation die man nicht mag, gegenwärtig konkret nicht ändern kann oder will. Ein Problem entsteht also wenn man sich aus der Gegenwart entfernt und in einem gedanklichen Konstrukt, oft ohne wirkliche Lösungsintention, verharrt. Viele Jetzt Lehren drehen sich um die Frage wie man sich bewegt und doch nicht in dieses Problembewusstsein verfällt.

Ein praktisches Beispiel aus eigener Erfahrung:
Flußgarten im FrühlingWährend meiner Vesseling Ausbildung gab es einen Tag an dem ich immer wieder etwas Rückenschmerzen hatte, aber eher geringfügig. Einige Jahre zuvor hatte ich mich bei einem Projekt im heimatlichen Fluss einem Felsen nicht unähnlich dem rechts gezeigten, überhoben und irgendetwas in meiner Wirbelsäule verschoben, mit deutlichen Lähmungserscheinungen in einem Bein. Das waren nun jedoch nur leichte Schmerzen in der Lendenwirbelsäule, wie sie Schreibtischarbeiter wie ich immer wieder haben. Ich dachte überhaupt nicht an die damalige Verletzung, trotzdem behandelte ich die Schmerzen schamanisch und siehe da, keine Schmerzen mehr. Ich war glücklich! Am Abend begann also unsere übliche Party (soetwas spielt beim Vesseln eine bedeutende Rolle, um dem Spaß und Leben Raum zu geben). Beim Tanzen begannen die Schmerzen wieder etwas, wurden schlimmer, wie von einem beleidigten Ischias. Eine Kollegin zog mich auf die Tanzfläche, ich dachte was solls, tanzte weiter, mehr Schmerzen. Und hier meine erste bewusste Entscheidung: Annehmen! Gut gemeint, aber grundlegend falsch. Das war eher Sturheit und der Wille meinen Körper zu ignorieren. Bald darauf wurde es wirklich übel, bei jedem Hopser hatte ich den Eindruck mir einen Nerv abzuklemmen. Ich beendete die Party für mich, und kam noch gerade so in mein Bett, unterwegs setze schon mein linkes Bein aus. Ich nahm zwei Schmerzmittel mit abschwellender Wirkung. Der Zustand kam mir schon recht übel vor, hoffte aber, dass eine allfällige Schwellung die auf die Nerven drücken könnten damit verschwinden würde. Ein paar Stunden später wurde ich wach, mit nun wirklich üblen Schmerzen. Keine Spur von Schmerzmittel zu spüren. Ich konnte nicht mehr aus dem Bett und die einzige Haltung die irgendwie erträglich schien war eine halb-fötal kauernde Positon. Diese ganze Geschichte hat noch eine andere Bedeutung für mich, die mit den tagsüber behandelten Themen zu tun hat und dem Gefühl vollkommen allein und verloren zu sein als ich dort im Bett lag. In meinem Geist kochte Panik hoch, ich sah mich einem niederländischen Skalpell ausgeliefert mit der guten Aussicht auf permanente Lähmung. Der Aspekt um den es mir hier aber geht ist wie es dann weiterging. Der einzige Mensch in Reichweite war mein Zimmerkollege, ein sehr netter Typ, der nebenbei auch in einer Ausbildung zum Keltenschamanen war. Jedenfalls blieb er cool und wir entschieden uns eine Vesseling Behandlung durchzuführen. Die Alternative die ich dort im Bett liegend sah war auf einem OP-Tisch zu landen, und das war keine Option die ich bevorzugt nehmen wollte. Man könnte das für Widerstand halten, soweit war es jedoch einfach eine bewusste Entscheidung für einen gewissen Weg. Jedenfalls, ich nahm in diesem Moment die Situation an, den Schmerz, dort in diesem Bett zu liegen. Der Katalysator war sicherlich die beginnende Vesseling Behandlung, mich dem Vetrauen zu übergeben. Jedenfalls, was dann passiert ist war erstaunlich und meine bis dahin persönlich stärkste Erfahrung was Annahme auch im Körper tun kann.

Ich richtete mich im Bett einigermaßen gerade, das tat alles noch immer böse weh, und ich begann in den Schmerz hineinzuatmen. Nicht dagegen, in den Schmerz, mit dem Schmerz. Dort veränderte sich mein Bewusstsein und ich erlebte zum ersten Mal wie es ist den Widerstand wirklich aufzugeben.

Wahrscheinlich waren auch eine ganze Menge Endorphine in meinem System. Jedenfalls wurde ich ruhig, die Behandlung war ebenfalls besonders, ich erlebte alles in einem Gefühl wunderbarer Ruhe und irgendwie angekommen zu sein. Vermutlich entspannten sich Muskeln in meinem Rücken, jedenfalls ließ der Schmerz sehr stark nach.

Als wir fertig waren hatte ich noch immer Schmerzen, aber sie waren deutlich geringer. Die panische Angst war verschwunden, und ich konnte wieder aus dem Bett klettern und humpelnd den Tag bestreiten (es war der letzte Seminartag) und weitgehend aus eigener Kraft mit dem Flugzeug nach Hause zurückkehren. Dort benötigte ich eine Weile mich zu erholen, mein Bein wieder normal benutzen zu können. Das physische Thema ist auch bis heute nicht ganz verschwunden, es ist eine Schwachstelle die ein Indikator für meinen inneren Zustand ist, wie auch für meine Tendenz vor dem Monitor zu hängen. Dessen ungeachtet, ohne diese damalige Entscheidung die Situation und insbesondere den Schmerz anzunehmen wäre ich nicht mal mehr aus dem Bett gekommen.

Ehrlich gesagt will ich niemandem empfehlen sich in vergleichbarer Situation genauso zu verhalten. Für mich war das ein wichtiges Erlebnis, wie sehr mein Widerstand gegen den Schmerz und insbesondere die Situation ansich meine Situation verschlimmerte. In der Annahme der Situation (Schmerz, mögliche Beschädigung meiner Wirbelsäule) die ich schlicht nicht ändern konnte und vermutlich auch durch die Vesselingbehandlung wurde ich wieder handlungsfähig. Ich wurde gegenwärtiger. Aber es war eine einzigartige Situation, und mein eigener Körper. Es war auch eine der eindrucksvollsten Gelegenheiten den Effekt einer Atemtechnik zu erleben.

Was ist dabei der Unterschied zum Ertragen? Die innere Haltung ist anders. Jemand der erträgt hat nicht angenommen, aus dem kontinuierlichen Widerstand gegen die Situation baut sich Leidensdruck auf. Manche Menschen ziehen aus Ihrem Leiden auch Identität (definieren und erfahren sich als leidend). Das führt dazu das Leiden festhalten zu wollen, denn wer könnte man ohne dieses sein? Ich halte Annahme für eine der wichtigsten spirituellen Übungen im Alltag schlicht wegen Ihrem unmittelbaren Effekt auf Lebensführung, Lebensqualität und Lebensfluss. Ganz besonders zentral ist sie für therapeutisch Wirkende.

In der Biodynamischen Craniosacralen Therapie sowie im Vesseling werden in Annahme der Situation und Loslassen der Widerstände zentrale Heilmechnismen gesehen. Tatsächlich sehe ich die Annahme der inneren Zustände so wie sie gerade sind als den ersten wichtigen Schritt fast jeder Heilung. Vielleicht ist es auch die zentrale Fertigkeit um wirklich in Bewegung bleiben zu können.

Warning: count(): Parameter must be an array or an object that implements Countable in /kunden/94423_1030/webseiten/seherzeit/templates/td_creative/html/com_k2/templates/default/item.php on line 282
Gelesen 2383 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 22 Oktober 2015 13:40

Schreibe einen Kommentar

Achten Sie darauf, die erforderlichen Informationen einzugeben (mit Stern * gekennzeichnet).
HTML-Code ist nicht erlaubt.